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Frühgeschichtliche Schmiedegräber in Mitteleuropa

Einleitung

Im Rahmen eines Forschungsprojektes zu frühmittelalterlichen Schmiedegräbern im östlichen Mitteleuropa sollen hier die vorläufigen Ergebnisse der metallographischen Untersuchung einiger Werkzeuge aus dem Schmiedegrab von Poysdorf (6. Jahrhundert n. Chr.) vorgestellt werden.

In dem 1933 von Eduard Benninger geborgenen Skelettgrab 6 von Poysdorf konnten an der rechten Seite des Toten auch verschiedene Werkzeuge geborgen werden, die dem Schmiedehandwerk zugeordnet werden können.

Von diesen durften fünf Gegenstände einer metallographischen Analyse unterzogen werden. Es handelt sich um einen Hammer – Inv. Nr.: 62.800, einen Amboss– Inv. Nr.: 62.798, eine Schmiedezange – Inv. Nr.: 62.801, eine Feile – Inv. Nr.: 62.804 und ein Schneidegerät – Inv. Nr.: 62.803.

Eingebettet in diese archäologischen Studien zu Handwerk, Handel, Sozial- und Kulturgeschichte soll versucht werden, Einblicke in die Metalltechnologie und Produktionsweisen frühgeschichtlicher Zeit zu erhalten.

Metallographie

Im Zuge dieser Untersuchung sollte die Herstellungstechnik und Materialqualität der Eisenobjekte dem Schmiedegrab von Poysdorf – Grab 6 analysiert werden. Die Bearbeitung von Metallen durch Schmieden, Glühen, Härten und andere Arbeitstechniken hinterlässt im fertigen Werkstück charakteristische Gefüge, die am geätzten Anschliff identifiziert werden können, die dabei festgestellte technotypologische Merkmale tragen zur Definition der Qualität und Entstehung von Einzelstücken bei. Exemplarisch sollen zwei Fundgegenstände vorgestellt werden.

Fragestellung

Einen Schwerpunkt der Analyse stellt die Klassifizierung der Werkzeuge und ihrer Funktionsfähigkeit, sowie die Feststellung verschiedener Charakteristika wie Werkstoffqualität und Wärmebehandlung des Metalls dar.

Dadurch soll in weiterer Folge eine korrekte Ansprache der in Gräbern vorhandenen Werkzeuge gefunden und deren Einsatzmöglichkeiten (Grobschmiede-, oder Feinschmiedebereich) diskutiert werden. Wurden unbrauchbare oder funktionsfähige Werkzeuge beigegeben? Konnte der Schmied die Qualität des verwendeten Rohmaterials beurteilen und es entsprechend einsetzen?

Poysdorf – Schmiedehammer Fnr. 62.800
Probenentnahmestelle, Pfeil markiert Schnittebene

Der Hammer besteht aus Metall mit geringem Schlackenanteil und ausreichendem Kohlenstoffgehalt. Er wurde zu seiner jetzigen Form umgeschmiedet und einer Wärmebehandlung unterzogen. Die Finne wurde in Wasser abgeschreckt und dort belassen, sodass im vordersten Bereich ein Härtegefüge entstand, anschließend lief die Restwärme vom Körper nach vorne und führt zur Anlassung des Gefüges (dadurch besitzt es hohe Härte, ist aber nicht mehr so spröde).

links : Hammer - Nitalätzung - Längsschliff - Vergrößerung ca. 40x
rechts : Schematische Darstellung des Längsschliffes.

Hammer - Nitalätzung - Vergrößerung ca. 980x: unvollständiges Härtegefüge an der Finne - Martensit mit Perlitinseln

Schneidgerät - Fnr. 62.803 – Querschliff
Links : Probenentnahmestelle, Pfeil markiert Schnittebene
Rechts : Querschliff - für das Schneidgerät wurde ebenfalls schlackenarmes Material mit ausreichendem Kohlenstoffgehalt verwendet. Nach dem Schmieden wurde das Werkstück abgeschreckt aber nicht mehr angelassen, dadurch entstand ein Gefüge von sehr hoher Härte.

Schneidgerät - Nitalätzung - Vergrößerung ca. 180x: Martensit an der Schneide garantiert hohe Schneidhaltigkeit

Ergebnisse

Die Resultate erlauben einen tiefen Einblick in das schmiedetechnische Handwerk. Es wurde festgestellt, dass das Werkzeug aus dem Schmiedegrab von Poysdorf voll gebrauchsfähig war und zum Teil typische Arbeitspuren aufweist.

Der Hammer, die Feile und das Schneidegerät aus Poysdorf Grab 6 sind einander im metallographischen Erscheinungsbild ähnlich. Alle drei weisen relativ geringen Schlackenanteil und Härtegefüge auf, dies macht sie sehr gut für ihren Einsatz geeignet.

Das kohlenstoffreiche Material des Schmiedehammers wurde an der Finne gehärtet, dies verlieh ihm gute Gebrauchseigenschaften. Da der Amboss an der Schlagbahn keine Härtegefüge erkennen lässt, liegt auch hier die Werkzeugkombination gehärteter Hammer / ungehärteter Amboss vor.

Das Schneidegerät weist Martensit auf, dies macht es für die Bunt- und Edelmetallbearbeitung bestens geeignet. So könnten damit Gussnähte abgearbeitet und Oberflächenverzierungen angebracht werden.

Projektleitung : Univ.-Prof. Dr. Falko Daim, Interdisziplinäres Forschungsinstitut für Archäologie der Universität Wien
Kooperationspartner : Naturhistorisches Museum, Wien – Prähistorische Abteilung (Dir. Dr. Anton Kern), Museum Brno (Direktor PhDr. Petr Šuléř), Móra Ferenc, Múzeum Szeged (Abteilungsleiter: Mag. Gábor Lörinczi)
Literatur : Daim, Falko; Mehofer, Mathias, Poysdorf, Hoops - Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Berlin, 2003, S. 327 – 332. Mehofer, Mathias, Die langobardischen Schmiedegräber von Poysdorf und Brünn- Ein archäometallurgischer Zwischenbericht, Soester Beiträge zur Archäologie 5, Soest 2004, 17 – 24.

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