Logo der Universität Wien

Archäologische und archäometrische Anaysen der frühmittelalterlichen Keramik von Zillingtal (Burgenland)

Die Lage des Fundortes Zillingtal. Graphik: Bernd Froese

Auftraggeber:
Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien

Gefördert von:
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Die Keramikfunde des awarenzeitlichen (7.-8. Jh. n. Chr.) Gräberfeldes und der dazugehörigen Siedlung von Zillingtal (Burgenland) wurden, parallel zur archäologischen Bearbeitung, mit Dünnschliffanalyse (109 Proben), Röntgendiffraktionsanalyse, sowie mittels Methoden der experimentellen Archäologie untersucht.

Zillingtal (Burgenland/Österreich), Awarenzeitliches Gräberfeld
(am Horizont, rechts vom Hochstand) und Siedlung (im Vordergrund rechts)
Foto: Anton Distelberger

Hauptziele der Analysen

1. Chronologie

Zwei Haupttypen der Keramik wurden identifiziert: handgeformte und langsam gedrehte (auf der Handtöpferscheibe gefertigte) Gefäße. Diese zwei Haupttypen existierten zeitlich parallel und konnten erst aufgrund der Dünnschliffanalysen in 3 (Abbildung anzeigen) bzw. 4 (Abbildung anzeigen) kleinere, chronologisch relevante Gruppen untergegliedert werden.

Die Kartierung der Gefäßtypen im Gräberfeld bestätigt die chronologische Relevanz der Gruppen:

Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3

 Kartierungen der chronologisch relevanten Gruppen der langsam gedrehten Keramik im Gräberfeld von Zillingtal. Karten erstellt von Peter Stadler, Naturhistorisches Museum, Wien.

Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4

Kartierung der chronologisch relevanten Gruppen der handgeformten Keramik im Gräberfeld von Zillingtal. Karten erstellt von Peter Stadler, Naturhistorisches Museum, Wien.

2. Rahmenbedingungen der Herstellung

Anhand der angewandten Töpfertechniken und der Heterogenität/Homogenität der einzelnen Gruppen kann darauf geschlossen werden, dass die handgeformten und die langsam gedrehten Gefäße in unterschiedlichen organisatorischen Rahmen hergestellt wurden.
Nach den Modellen von Peacock (Peacock, D. P. S.: Pottery in the Roman World, London, 1982) lässt sich die handgeformte Keramik von Zillingtal ungefähr in den Bereichen „household production“/„household industry“ ansiedeln, während die langsam gedrehten Gefäße wohl in den Bereichen „household industry“/ „individual workshops“ hergestellt wurden. Die Herstellung  handgeformter Gefäße verlierte im Laufe der Zeit allmählich an Bedeutung, es wurden immer weniger Gefäße produziert, wohingegen die Herstellung der langsam gedrehten Gefäße sich stetig entwickelte, eine größere Menge an Gefäßen immer besserer Qualität wurde produziert.

3. Herkunft und Funktion

Die durchgeführten Feldexperimente zeigten, dass es möglich ist, aus lokalen Sedimenten der Siedlungsstelle Gefäße anzufertigen. Von einigen experimentellen Gefäßen wurden Dünnschliffe angefertigt, die eine den archäologischen Gefäßen sehr ähnliche Zusammensetzung der nichtplastischen Bestandteile zeigen; d.h. die Möglichkeit einer lokalen Herkunft der archäologischen Keramik ist gegeben. Bezüglich der Funktion der Gefäße konnte mittels weiterer Experimente nachgewiesen werden, dass die angefertigten experimentellen Gefäße zum Kochen in offenem Feuer geeignet sind.

Publikation

Herold, H. 2010, Zillingtal, Burgenland - Die awarenzeitliche Siedlung und die Keramikfunde des Gräberfeldes, Monographien des Römisch Germanischen Zentralmuseums 80, Mainz (Band 1: 378 Seiten, 89 Abbildungen, 3 Pläne; Band 2: 220 Bildtafeln).

VIAS-Vienna Institute for Archaeological Science
Interdisziplinäre Forschungsplattform Archäologie
Universität Wien
Franz-Klein-Gasse 1/III
A-1190 Wien

T: +43-1-4277-404 01
T: +43-1-4277-9404
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0