Rasterelektronenmikroskopie

Blick in die Probenkammer des

Rasterelektronenmikroskops. Die Oberfläche des Goldbechers wird analysiert und schmiedetechnische Details dokumentiert. Bauchiger Becher Inv. Nr. VIIb 14, Goldschatz von Nagyszentmiklós, Kunsthistorisches Museum Wien, Photo: M. Mehofer

Dr. des. Ing. Mathias Mehofer

 

Die archäologische Forschung als geisteswissenschaftliche Disziplin befasst sich mit den materiellen Hinterlassenschaften vergangener Gesellschaften. Sie beschäftigt sich dabei hauptsächlich, aber nicht nur, mit der Erforschung, Aufarbeitung und Beschreibung dieser materiellen Überreste. Im Zentrum stehen jedoch immer der Mensch und seine Fähigkeiten, seine Probleme und seine Lösungsansätze im Zuge der Interaktion mit seiner Umgebung.

Die Anwendung naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden für archäologische Fragestellungen kann bereits auf eine lange Forschungstradition zurückblicken. Vor allem in den letzten 25 Jahren erlebte der Einsatz archäometallurgischer Analysemethoden einen wahren Boom. War bei Metallen vorerst die Bestimmung der enthaltenen Haupt- und Nebenelemente von Interesse, so rückte mit der Zeit auch die genaue Dokumentation von Herstellungstechniken anhand der Auswertung von Gefügestrukturen sowie von erkennbaren Gebrauchs- und Bearbeitungsspuren an der Oberfläche ins Zentrum der Forschungen.

Die exakte Abbildung und Vermessung von Oberflächenstrukturen, wie sie etwa durch Werkzeugspuren entstehen, bildet dabei in Kombination mit den Ergebnissen der metallographischen und analytischen Untersuchungen eine aussagekräftige Methodenkombination, die es ermöglicht, die Herstellungs- und Benutzungsgeschichte eines Fundobjektes umfassend zu beschreiben. Im Laufe der letzten Jahre wurden für diese Aufgabe vermehrt Rasterelektronenmikroskope eingesetzt, da sie eine optimale Kombination aus Analyseeinrichtung zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung (EDX, WDX) und Vergrößerungsverfahren mit hoher Tiefenschärfe und Genauigkeit darstellen. Das am VIAS genutzte Gerät (Zeiss EVO 60 XVP) wurde im Rahmen eines vom FWF geförderten Projektes unter der Leitung von Gen.Dir. Dr. Falko Daim (Titel: „Goldschatz von Nagyszentmiklos“) angeschafft. Dieser Schatzfund wird in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums Wien aufbewahrt. Dieses Gerät kann neben seinem regulären Betrieb im Hochvakuummodus auch im so genannten Niedervakuummodus betrieben werden. Dieser Modus ermöglicht die direkte und schonende Untersuchung nicht leitenden Materials.

Zur Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums Wien:
www.khm.at/besuchen/sammlungen/antikensammlung/